Zwischen Emanzipation und Selbststigmatisierung? Die bulgarische Literatur der Moderne im europäischen Kontext
Internationale Tagung, 06.11.-08.11.2008
Veranstalter: Freie Universität, Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Osteuropa-Institut (Henrike Schmidt, Georg Witte) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Literatur der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Sofia (Bisera Dakova)
Tagungskonzeption: Henrike Schmidt (Berlin), Bisera Dakova (Sofia), Galin Tihanov (Manchester), Ludger Udolph (Dresden)
Gefördert von: VolkswagenStiftung, FU Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Osteuropa-Institut, Bulgarische Akademie der Wissenschaften
Veranstaltungsort:Clubhaus der Freien Universität Berlin, Goethestraße 49, 14163 Berlin, U-Bahnhof Krumme Lanke (U3)
Die Tagung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.
Informationen: schmidth@zedat.fu-berlin.de
Kurzdarstellung | English | Български
Nach der Befreiung von der osmanischen Herrschaft (1878) durchläuft Bulgarien im ausgehenden 19. Jahrhundert ‚nationale Wiedergeburt’ und gesellschaftliche Modernisierung im Zeitraffer. Der Literatur kommt in diesem Kontext eine zentrale Funktion im Bereich der Nationenbildung zu. Gleichzeitig öffnet sie sich den gesamteuropäischen Entwicklungen im Bereich der Ästhetik und empfängt wesentliche Impulse aus dem französischen Symbolismus und der Wiener Moderne, aus dem deutschen Expressionismus und dem russischen Futurismus. Gesellschaftliche Funktionalisierung und ästhetische Emanzipation, literarischer Ethnozentrismus und Partizipation an der kosmopolitischen Kulturformation der Moderne – die Einschreibung in den Kontext der ‚Weltliteratur’ – fallen damit in einen Zeitraum von nur wenigen Jahrzehnten. In der Folge entwickelt sich eine spezifische Kultur der Inkorporation fremder kultureller Texte und ästhetischer Modelle.
Die zwecks Beschreibung der bulgarischen Moderne verwendeten Schlagworte der Fremdorientierung, des Hybriden und Randständigen weisen deutliche Bezüge zur postkolonialen Kulturkritik auf. Die Tagung nimmt den „semikolonialen Status des Balkans“ (Maria Todorova) kritisch in den Blick. Sie stellt die Frage nach der Berechtigung der These vom „imaginativen Kolonialismus“ (Vesna Goldsworthy), der tief in das Innere der Kulturen des Balkans eindringt und im Extremfall in Selbststigmatisierung mündet.
Während sich im Rahmen der postkolonialen Literaturkritik die vergleichende Imagologie mit dem Wechselspiel von Eigen- und Fremdbildern beschäftigt, setzt die Tagung einen Schwerpunkt im Bereich der Übernahme und Neu-Interpretation von ästhetischen Konzepten, literarischen Traditionen und Gattungsmodellen.
Programm:
Donnerstag, 06. November 2008, Eröffnungsveranstaltung
18.00-20.00 | PANEL I: PERIPHERAL PERSPECTIVES. ‘MINOR LITERATURES’ ON THE BALKANS?
|
20.00 | Empfang |
Freitag, 07. November 2008
9.30-10.45 | PANEL II: NATIONALKULTUR UND WELTLITERATUR IN BULGARIEN AN DER WENDE INS 20. JAHRHUNDERT
|
10.45-11.15 | Kaffeepause |
11.15-12.30 | PANEL II: NATIONALKULTUR UND WELTLITERATUR IN BULGARIEN AN DER WENDE INS 20. JAHRHUNDERT (Fortsetzung) |
12.30-14.30 | Mittagspause |
14.30-15.45 | PANEL III: AUF DER SUCHE NACH EINER NEUEN ÄSTHETIK |
15.45-16.15 | Kaffeepause |
16.15-18.00 | PANEL IV: INTERKULTURELLE UND INTERTEXTUELLE WECHSELWIRKUNGEN IN DER BULGARISCHEN MODERNE
|
Samstag, 08. November 2008
9.30-10.45 | PANEL V: TEODOR TRAJANOV – EIN EXEMPLARISCHER ‚FALL’ DER BULGARISCHEN MODERNE? |
10.45-11.15 | Kaffeepause |
11.15-12.30 | PANEL V: TEODOR TRAJANOV – EIN EXEMPLARISCHER ‚FALL’ DER BULGARISCHEN MODERNE? (Fortsetzung)
|
12.30-14.30 | Mittagspause |
14.30-15.30 | PANEL VI: ÜBERSETZUNG ALS KULTURTRANSFER. VORSTELLUNG VON ÜBERSETZUNGSPROJEKTEN |
15.30-16.00 | Kaffeepause |
16.00-17.00 | ABSCHLUSSDISKUSSION |